Haarteile – und was Sie schon immer darüber wissen wollten
“Ehret die Frauen, sie weben und flechten / falsche Zöpfe unter die echten”
Die Abwandlung des Klassikerzitats macht es deutlich: Schon im 18. Jahrhundert täuschte die Damenwelt durch Haarteile falsche Frisurenfülle vor. Damals bestanden Haarteile aus echten Zöpfen, die oft Frauen und Mädchen in Not an Haarkünstler verkauften, die darauf kunstvolle Haarteile für Steckfrisuren fertigten. Beliebt waren im 19. Jahrhundert auch künstliche Ponyfransen, die keck in die Stirn fielen. In Deutschland erlebten Haarteile in den 60er Jahren eine Renaissance: Frisuren àla Farah Diba waren der letzte Schrei und ohne Haarteil kaum zu bewerkstelligen.
Meistens wurden die Haarteile mit vielen Klemmen auf dem Hinterkopf verankert und zogen mit beträchtlichem Gewicht den Nacken nach hinten.
Manche Damen besaßen drei oder vier verschiedene Haarteile, die für festliche Frisuren auch noch kombiniert wurden. In den Kaufhäusern hingen Kunsthaarteile in allen Farben und Längen, vom Mini-”Herrenwinker”, der mit Spezialklebstoff an den Schläfen befestigt wurde, bis zum langen Zopf. Die Beatles-Ära schnitt der Frisuren-Mode die alten und falschen Zöpfe ab:
Rundschnitt und Fönfrisur waren “in”, Turmbauten mit Haarteilen “out”.
Waren Haarteile einst ausgesprochene “Schaustücke”, fallen sie jetzt gerade durch ihre Unauffälligkeit auf: Sie sollen natürlich wirken, um verloren gegangene Haarpracht zu ersetzen. Bei dünnen Stellen genügt oft ein Mini-Haarteil aus dünnen Tressen, das mit winzigen Clips im Haar verankert wird. Größere Haarteile haben nach wie vor einen geknüpften Boden und werden mit Haarnadeln festgesteckt. Einiges Frisierkönnen ist erforderlich, um ein natürliches Ergebnis zu erzielen. Die einfachste Lösung bei halblangem Haar: Die eigenen Haare zum Schwänzchen nach hinten stecken und ein Haarteil über dem Ansatz befestigen. Achtung: Je größer und länger das Haarteil gewählt wird, desto mehr belastet es Kopfhaut und Eigenhaar. Auch Haarteile müssen sorgfältig gepflegt werden, um Fülle und Glanz zu behalten. Eine Dauerlösung stellt das Hair-Weaving, das Verknüpfen des eigenen Haars mit einem maßgearbeiteten Haarteil dar. Aktuell mal wieder im Trend: lange Kunsthaarteile, wie sie bei zahlreichen Modenschauen in Rom und Paris zu wilden Kreationen gestylt zu sehen waren.
Bei Männern werden Haarteile oder Toupets meistens gewählt, um die Stirnglatze zu kaschieren. Peinliche Momente wie das Verrutschen oder gar den Verlust des Haarteils können der Vergangenheit angehören, wenn eines der neuen Befestigungsverfahren durch spezielle Haar-Haut-Verbindungen gewählt wird.
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